Ass.-Prof. Mag. Mag. Dr. phil. Elke Höfler
Assistenzprofessorin für Mediendidaktik und Sprachendidaktik Institut für Romanistik, Universität Graz
Digitalisierung ist kein Zukunftsversprechen, sondern gelebte Realität – und doch greift der Begriff für die Beschreibung gegenwärtiger Bildungsprozesse zu kurz. Die Keynote setzt genau hier an: Sie verlässt die oft technikzentrierte Perspektive der „Digitalisierung“ und richtet den Blick auf Digitalität als kulturelle Bedingung sowie auf Postdigitalität als Denkrahmen für eine Welt, in der das Digitale nicht mehr als Besonderheit, sondern als Selbstverständlichkeit gilt.
Im Zentrum steht die Frage, was Bildung unter diesen Vorzeichen leisten kann – und leisten muss. Wenn sich Wissensproduktion, Kommunikation und Wahrnehmung grundlegend verändern, betrifft dies nicht nur Werkzeuge, sondern epistemische Praktiken, soziale Aushandlungsprozesse und pädagogische Konzepte. Bildung bewegt sich damit in einem Spannungsfeld: zwischen technologischer Innovation, kultureller Transformation und normativen Ansprüchen wie Teilhabe, Mündigkeit und Chancengerechtigkeit.
Zugleich plädiert die Keynote für eine klare begriffliche und normative Unterscheidung zwischen Bildung und Ausbildung. Während Ausbildung primär auf Verwertbarkeit, Kompetenznachweise und ökonomische Anschlussfähigkeit zielt, entzieht sich Bildung einer solchen Logik der Messbarkeit und Funktionalisierung. Bildung ist nicht vollständig operationalisierbar, nicht auf Effizienz reduzierbar und nicht beliebig verhandelbar. Sie umfasst die Auseinandersetzung mit Welt und Selbst, die Entwicklung von Urteilsfähigkeit, Ambiguitätstoleranz und kritischer Reflexion – auch (und gerade) dort, wo sich diese nicht unmittelbar in Kompetenzen übersetzen oder ökonomisch legitimieren lassen.
Gerade in einer von Digitalität geprägten Welt, in der Daten, Performanz, Effizienz und Optimierung eine zentrale Rolle spielen, gewinnt diese Perspektive an Bedeutung. Bildung widersetzt sich hier bewusst einer Verkürzung auf das Messbare und Nützliche und insistiert auf ihrem Eigenwert als Voraussetzung für individuelle und gesellschaftliche Orientierung.
Ziel ist es, über Digitalisierung hinauszudenken und Impulse für eine Bildung zu geben, die nicht nur auf technologische Entwicklungen reagiert, sondern diese aktiv mitgestaltet – reflektiert, verantwortungsvoll und zukunftsorientiert. Dabei wird auch kritisch gefragt, welche neuen Exklusionsmechanismen entstehen und wie Bildung darauf reagieren kann.